Letschti Friitgobig – Wanderig 2026
Wenn sich zwei Naturfreunde auf dem Anfahrtsweg kreuzen, dann ist Freitagabend- Wanderung
Bahnhof Sins, 4. Sept. 18.29 Uhr. Gabriele von Wohlen steigt aus und kreuzt an der Zugstüre ihren Naturfreundekollegen Robert aus Sins. Man grüsst sich flüchtig und weiter geht die Reise, wohin? Gabriele im Bus, Robert im Zug. Eine Viertelstunde, resp. 20 Minuten später treffen sich die beiden wieder, diesmal auf dem Bahnhofplatz in Gisikon zur letzten Freitagabendwanderung.
Da sage noch einer, wir hätten keine guten Verbindungen im Oberfreiamt.
Schlag 19.00 Uhr starten 7 Naturfreunde und 3 Gäste zur Wanderung, der Reuss entlang nach Perlen. Die Abendstimmung prachtvoll, wolkenlos, der Pilatus gestochen scharf, das Abendrot nimmt zu. Um 20.01 ist Sonnenuntergang. Die Helligkeit reicht bis zur Kirche Perlen, die schon im Dunkeln steht, doch aus den offenen Türen dringt Licht auf die Vortreppe. Im Innern herrscht schummriges Licht, die Ikonen stechen wegen den Vergoldungen dennoch hervor. Die Kirche ist vor wenigen Jahren von der katholischen Kirchgemeinde an die serbisch-orthodoxen Mitchristen verkauft worden. Grund – die katholischen Arbeiter sind weitgehend durch solche aus Serbien ersetzt worden. Ja, man muss wissen, dass hier bis vor 150 Jahren nur ganz wenige Bauernhöfe standen und das Gebiet sumpfig war. Ein schwerreicher Fabrikant, namens Bell aus Kriens, liess einen Reusskanal ausheben, dessen Wasserkraft als Antrieb diente. Elektrizität gab es erst 50 Jahre später. Er baute eine veritable Retortensiedlung, die Papierfabrik mit allem Drum und Dran, Arbeiterhäuser mit Pflanzgärten, Schule, Kirche, Laden, ein Arbeiter-Wohlfahrthaus, wo die Angestellten, sich verpflegen und ledige übernachten konnten. Im Keller, waren Badewannen vorhanden, (es gibt immer noch 2), wo nur die Herren sich wöchentlich reinigen durften. Die Frauen waren keine Fabrikangestellte, also hatten sie kein Baderecht! Herr Bell war ein sozial eingestellter Patron, der damals schon den 8-Stunden-Tag einführte, im Hinblick auf ein gute Gesundheit, was ihm und den Angestellten zum Vorteil gereichte. Vereine, u.a. der Fussballclub Perlen, wurden gegründet und das Land dazu zur Verfügung gestellt. In
politischen Fragen wählte und stimmte der Dorfteil Perlen früher trotzdem gewerkschaftlich rot. Das zur Geschichte. Die neuen Produktionshallen waren erhellt, und wir konnten einen Blick ins Innere, auf die riesigen Produktionsmaschinen von aussen erhaschen. Die Papieri Perlen ist der letzte grosse Betrieb, der die ganze Schweiz und Süddeutschland mit riesigen Zeitungspapierrollen beliefert. Viele Erzeugnisse werden aus Altpapier gefertigt, z.B. Eier-Kartonschachteln etc. In diesem Wohlfahrtshaus, inzwischen zu einem stattlichen Restaurationsbetrieb, mit Namen «die Perle», mit schönen Hotelzimmern und einem grossen Saal renoviert, sassen wir auf der Terrasse bei 28 Grad unser wohlverdientes Getränk. Wir beschlossen, die Wanderung hier abzubrechen und den Bus zu nehmen, der hier alle halbe Stunde zum Bahnhof Gisikon fährt. Einige Busse liessen wir «fahren», bis wir uns entschlossen, endlich doch mal einzusteigen
und den Abend in Gisikon zu beenden.
Schön und gemütlich war’s! Hoffentlich kommen unsere Gäste auch nächstes Jahr wieder!
Hans Kaufmann, Wanderleiter
