
Cham – Sins
Unsere Wandergruppe: «Vo Seys sey-si – chum vo Cham
Dieses flapsige Sprichwort bezieht sich eher auf eine weibliche Person. Am Sonntag, 6. September 2026, traf das aber auf unsere Naturfreunde-Wandergruppe zu.
Die anfängliche Kühle entwickelte sich im Verlaufe des Tages zur Hitze von 30 Grad. Wir waren nur zu fünft, weil sich kurzfristig drei Personen abgemeldet hatten. Doris und ich kamen, ohne voneinander zu wissen, im gleichen Zug zu spät.
Der Lorze entlang
Odilo hiess uns in Cham willkommen und führte uns durch das Milchsüdi-Quartier zur Lorze. Dieses Flüsschen diente im 19. Jahrhundert für viele Betriebe zur Kraftübertragung für die Industriewerke. Nestlé, Papieri-Cham und Pavatex hiessen die Firmen, Nestlé wurde zum Weltkonzern. Einige Betriebsgebäude wurden in Büros umgewandelt, die meisten aber in Wohnungen. Arbeitsräume werden zu Immobilien, das rentiert besser, und wie!
Gleich dahinter beginnt die Natur
Erstaunlich dennoch, nur wenige Schritte vom Zentrum Chams entfernt, beginnt die romantische Natur. Massenhaft Fische in blauen Gewässern und grüne Uferböschungen lassen vergessen, dass da oben tausende Menschen wohnen und hunderte von Autos und Lastwagen über kühne Autobahnbrücken die Schlucht queren. Wissen die Lenker überhaupt, wie schön es da unten ist? Wohl kaum! Weiter ging die Wanderung nach Norden. Wasserkraftwerke, insgesamt fünf an der Zahl, klein und deshalb ziemlich unauffällig, stellen Strom her. Schon deutlich grösser sind die Klärbecken, welche die Abwässer aus 14 Gemeinden und drei Kantonen klären, gefolgt vom Zivilschutz-Ausbildungszentrum der Innerschweiz. Schliesslich näherten wir uns der Arbeiterkolonie Hagendorn, mit den Kosthäusern, dem Bade- und dem Turbinenhaus, heute in schicke Wohnhäuser umgebaut. Das ehemalige Webereingebäude ist vor über hundert Jahren ein Raub der Flammen geworden. Heute weiden an der Stelle wieder Kühe. Die in den 70-er-Jahren etwas abschätzig genannten «Türkenhäuser» sind von mittelständischen Familien erworben worden. Wo früher die Familien Gemüse anpflanzten, wurden die Erweiterungsbauten für die Bäder und Küchen errichtet.
Odilo – geht’s noch weit?
Die Sonne stieg so langsam in den Zenit, es wurde heiss und heisser. Gerne hätten wir im Restaurant Sonne einen Beizenhalt gemacht. Aber unser strenger Wanderleiter liess das nicht zu, obwohl ich monierte, dass ich zu dieser Sonntagszeit den Kirchenkaffee auf der Zunge spüre.
Dann ging es über Felder und Wälder, vorbei an Bauernhöfen zur Reuss, gegenüber von Reussegg. Ein Wirtshaus gab es in dieser Gegend keines mehr, dafür eine schöne, wieder hergestellte Auennaturlandschaft. Schluss der Wanderung stand das Restaurant Zollhaus. Der einzige noch freie Tisch stand in der prallen Sonne. Mit wenigen Griffen stellten wir ihn in den Schatten einer Platane. Dann Prost!
Danke Odilo für die Wanderung!
Bericht: Hans Kaufmann




